"Lasst uns die Gesellschaft konsumieren"

( sms zur kamuna)

Wie funktioniert eine auf Informations-, Kommunikationstechnologien und Informationsökonomie basierende Transformationsgesellschaft ? Wie definieren und gestalten wir Informationen und Informatisierung, welche Wirkungen hat dies auf das kollektive Bewusstsein einer Gesellschaft ?
Benutzergenerierte Systeme und Netzwerkgemeinschaften des Internets verzeichnen starke Popularität und offenbaren ein deutliches Beispiel für unsere gegenwärtige Informationswirtschaft. Wir reden von Infopollution, Prosumenten, Virturealität oder den Internet Natives. Das www hat enormes Wirkungspotential auf physischer Ebene. Wie ist unser Umgang mit der daraus resultierenden Verantwortung? Welche Möglichkeiten nutzen wir und wie und welche Informationen sind für uns relevant?
Das Experiment ist die Verlagerung, der für das Internet charakteristischen Eigenschaften von Kommunikation, in den öffentlich Raum – dem einzigen, der wirklich jedem bedingungslos zur Verfügung steht.
Mit Projektionstechnik werden Mikro-Blogs auf die unmittelbare Lebensumgebung, Architektur, projiziert. Das Konzept besteht aus einem Kommunikationsprozesse organisierendem System, indem es diese initiiert, ihnen einen gemeinsamen Objektbezug gibt und sie aufrecht hält. Jeder hat hier die bedingungslose Möglichkeit sich in der Öffentlichkeit zu äußern und mit anderen zu vernetzen. Dies geschieht per SMS, E-Mail, manchmal sogar handgeschriebenen Notizen, mündlich oder direktem Bedienen einer speziellen Bedienungskonsole. Anonymität wird gewährleistet. Sogar Heimgebundene, oder anders von der Öffentlichkeit Ausgeschlossenen, können auf diesen Wegen in der Masse interagieren.
Teilnehmer können beliebige Textnachrichten mit maximal 140 Zeichen per SMS einsenden und auf Hausfassaden projizieren lassen. Der Mikro-Blog bildet ein für Autor und Leser einfach zu handhabendes Echtzeit-Medium zur Darstellung von Aspekten des eigenen Lebens und von Meinungen zu spezifischen Themen. Kommentare oder Diskussionen der Teilnehmer zu einem Beitrag lassen einen wechselseitigen Austausch von Informationen, Gedanken und Erfahrungen entstehen.
Sämtliche Statements erscheinen unzensiert überdimensional auf Hausfassaden. Die Rezipienten generieren den Inhalt, gestalten das Programm, erproben ihre Macht, werden kurzzeitig zum Star und zu Konkurrenten der an Aufmerksamkeit dominierenden Massenmedien. Es entsteht ein eigendynamischer sozialer Prozess zwischen allen Beteiligten, indem sie sprachlich als auch handelnd mittels des verfügbaren Werkzeuges miteinander interagieren.
Geführt werden offene Diskurse, solche die das Wirkliche abspiegeln und welche, die in ihrem Akt Wirklichkeit erzeugen. Jedem steht die Beteiligung frei, seien es auch fiktive Äußerungen, zur Erprobung der Realität. Wenn Realität das ist, was wir für real halten, kann man Realitäten unendlich konstruieren und dekonstruieren.
Hinterfragt werden Resultate des Denkens und insbesondere dieser Prozess selbst, indem die performative Funktion der Kommunikation vor allem auf die eigene darstellerische Wirkung und Aktivität untersucht wird. Voraussetzung ist aktive Selbstreflexion: Betrachtung von Denkinhalten und Denkprozessen vor und während des Geschehens. Dies eröffnet das bewusste Erleben als Lebenseinstellung und Bewusstseinszustand. Und was sind die Oppositionen dessen?
Nichts steht außer Frage und alles zur Diskussion.



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